LXXVIII „EIGENTLICH“ ARBEITEN

Liebe Freundinnen & Freunde,
danke, dass Ihr Anteil nehmt an meinem klingenden Nachtbuch. Hier ist das Lied zum Montag. Mit den besten Wünschen aus dem Arbeiterbezirk Berlin-Wedding,

Wenn ich eigentlich arbeiten soll,
dann werde ich so müde.
Dann schau ich mir in der Mediathek
Vorabendserien an
und ich fühl mich wie ein Teenager
ohne Ferienprogramm.
Wenn ich eigentlich arbeiten soll,
dann werde ich so tranig.
Dann habe ich zu allem möglichen Lust,
aber zum Arbeiten mal gar nicht.
Um mich herum die hohen Berge
von Unbewältigtem.
Ich besteig sie schon noch
an einem anderen Tag,
wenn ich Lust dazu hab.
Wenn ich eigentlich arbeiten soll,
dann kippt die Stimmung
von Dur nach Moll,
wenn ich eigentlich, eigentlich,
eigentlich arbeiten soll.
Nein! Nein! Nein!

LXXVII LIEB MICH IM ZWIELICHT

Eigentlich wollte ich Euch jetzt ein Lied über das Wort „Eigentlich“ schenken, aber es kamm was dazwischen. Gerade eben hatte ich die Freude, auf einem Fest ein flugs komponiertes Lied zu singen. Ich habe folgende Zurufe bekommen:
Landluft, Zwielicht, ausgelassen, reich, beißen, galoppieren, rauschen, küssen. Als Stil solte Barmusik dabei rauskommen, das kam mir gelegen.
Viel Freude also mit der 77. guten Minute! Zwischendurch raunt die Festgesellschaft immer bei den vertonten Wörtern.

O bitte, bitte lieb mich,
lieb mich im Zwielicht.
Aber du musst wissen:
im Zwielicht will ich nicht nur küssen,
da nehm ich, was ich zu fassen krieg,
da werd ich ausgelassen, nicht,
dass du denkst, ich will dich gleich zerfleischen,
nur ein kleines bisschen beißen.
O bitte, bitte lieb mich,
lieb mich gleich jetzt und hier im Zwielicht.
Lass uns Zärtlichkeiten tauschen
und dem Rauschen der Landluft lauschen.
Lass uns am Anstand vorbeispazieren
und ins Reich der Wollust galoppieren,
O bitte, bitte lieb mich,
lieb mich gleich jetzt und hier im Zwielicht.

LXXVI DEIN GEHEIMNIS IST MEINE HEIMAT

Dein Geheimnis ist meine Heimat,
deine Lügen sind meine Logik,
ich richt mich trotz klarer Sicht
ganz nach deinem Licht,
von selbst leuchte ich nicht,
dein Geheimnis ist mein Zuhaus.

Deine Worte sind meine Werte,
Deine Stunden sind meine Sterne,
du kommst und dann gehst du,
weil nur gut tut, was weh tut,
heil und wund zur selben Zeit,
dein Geheimnis ist mein Zuhaus.

LXXV SCHARF WIE EIN KRISTALL

Diese Geschichte wurde mir erzählt. Sie hält mich fest und ich will sie berichten.

Die S-Bahntüren schlossen fest mit ihrem lauten Schmatzen
und so war sie mit ihm allein.
Dann schnappte es, ein Messer ging voran, er sprach vom Tod und griff in sie hinein.
Am Hals das zitternde Metall,
sie dachte scharf wie ein Kristall.
Er würgte sie und ließ das Messer los,
es fiel in ihre Hand und mit der
allerletzten Kraft
stach sie zu.

LXXIV WAS IST DAS GLÜCK

Was ist das Glück, was ist das Glück, was ist das Glück?
Zur Nacht die heiße Haut zu spüren,
die du mir an meine schmiegst,
während du im halben Schlaf
matt in meinen Armen liegst.
Dann von deinem Duft zu schmecken,
der den Raum mit Lust erfüllt,
mich in durchgeliebten Leinendecken
an deinem schönen Rücken
zärtlich festzubeißen
und das Crescendo deines Atems
an meinen Mund zu reißen.
Das ist das Glück, das ist das Glück, das ist das Glück.

LXXIII SLOW MOTION-EXPRESS

Hat dein Tag vielzuviel Pflicht, zuwenig Spiel?
Brennen dir zu knappe Fristen unter den Nägeln
und überlisten deine Lust?
Weil du vielzuwenig darfst und zuviel musst?
Dann vergiss die Tristesse
im Slow-Motion-Express.
Er rollt auf Honig statt auf Eisen,
was zu fest ist, darf entgleisen.
Hier gedeiht, was man lässt,
ganz ohne Stress,
im Slow Motion-Express.

LXXII MOIRA

Ich habe für mein heutiges Lied eine Nachtclubsängerin erfunden und suchte nach einem passenden Namen, möglichst poetisch ungenutzt. Beim Herumsingen auf Kuschelvokalen und dem wohlgefühligen „mmmmmhhhhhh“ kam ich auf Moira. Nun sehe ich, dass der Name einerseits Bitterkeit und andererseits Geliebte bedeutet. Das passt so schön! Gute Reise mit Moira!

Ich hab Moira gehört,
und der Klang aus ihrem Mund
fiel auf meinen Herzensgrund.
Ich hab Moira gesehen.
Sie umarmte die Musik,
mit der sie auf der Bühne schlief.
Jetzt trag ich ein Geheimnis
in jedes Liebesnest,
weil ich weiß, dass mich ab jetzt
jede Berührung an Moira denken lässt.
Hab an Moira gedacht
und wenn ich jetzt die Augen schließ,
bin ich sofort im Paradies
und mir kommt’s vor,
als säng Moira in mein Ohr.

LXXI DER MESSI-SONG

Die Wohnung sieht aus,
wenn ich’s nicht besser wüsste,
könnt man denken,
ein Messi wohnt in diesem Haus.
Ich hab’s ja probiert,
mich von altem Kram zu trennen,
doch das Sichten und das Aussortier’n war viel zu kompliziert.
Meine Freunde und Verwandten,
die sind so fies!
Sie sagen: lass dir doch mal helfen,
Es gibt Profis.
Ich hab das im Griff, komme was wolle.
Ich hab das im Griff, alles unter Kontrolle!

LXX GANZ UNTEN IST NOCH PLATZ

Verehrte Freundinnen & Freunde,
auf besonderen Wunsch heute kein Liebeslied – ganz ohne feminines Du. Ich wünsche Euch einen erhabenen Sonntag.

Ganz unten ist noch Platz.
Ganz unten ist noch reichlich Platz.
Mach es dir bequem,
es ist hier vielleicht gar nicht so unangenehm.
Der Geruch von Faul und Schimmel
ist zwar nicht gerad der 7. Himmel,
aber denk an die Sache mit der Taube und dem Spatz,
ganz unten ist noch Platz.